Judo-Training und Gesundheit


Judo führt - obwohl eine olympische Sportart - in der Öffentlichkeit eher ein Schattendasein. Gerät Judo dann doch einmal in die Schlagzeilen, dann entweder wegen eines großen Erfolges oder einem Kampf mit spektakulären Verletzungen. Judo selbst wird - mit Ausnahme von den Judoka selbst - zuerst mit einem hohen Verletzungsrisiko in Verbindung gebracht. Die vielen Vorteile, die Judo etwa in Hinblick auf eine gesunde Entwicklung des Haltungs- und Bewegungsapparates bei Kindern und Jugendlichen bietet, aber auch der Prävention bei Erwachsenen, geraten darüber ins Hintertreffen.

Natürlich ist ein Judoka, der seinen Sport im Wettkampf betreibt, anfällig für Verletzungen aller Art. Aber das ist in jeder Sportart der Fall. Das Judotraining bietet aber viele Vorteile, die der frühere Vizepräsident des Deutschen Judo-Bundes, Ralf Pöhler, in einem Workshop des DJB einmal so zusammenfasste:
1. Da wäre zum ersten ein relativ großer, allgemeiner Gymnastikteil zu nennen, der in fast allen Gruppen vor allem mit Jugendlichen und Erwachsenen durchgeführt wird. Er dient als Vorbereitung auf die kommende Belastung (Check- und Prüffunktion) und als Kräftigung und Beweglichmachung des Organismus (Schutzfunktion).
2. Judo wird in der Standarbeit durch vielfältige Zug- und Schubbewegungen bestimmt, die eine Stabilisierung des Rumpfes erforderlich machen. In der Bodenarbeit werden Wälz- und Rollbewegungen eingesetzt; das Zusammenspiel von Extremitäten und Arbeit der Rumpfmuskulatur gefordert. Es kommt also nicht von ungefähr, Judo mit dem Schlagwort “Rückenschule” in Verbindung zu bringen, obwohl die Partnereinwirkung ein Üben wie im gesundheitsorientierten Sport zunächst von der Sache her unmöglich macht.
3. Judo fordert und fördert die Koordination und hier vor allem die Gleichgewichtsfähigkeit, was für Kinder und Erwachsene gleichermaßen wichtig ist. Viele Schulweg-Unfälle sind Folge mangelnder Koordinationsfähigkeit, viele Unfälle im Alltag benso.
4. Judo-Training macht schon beim ersten Hinschauen zahlreiche Angebote, die dem Schutz vor oder der Bewältigung von Alltagsbelastungen dienlich sein können. Durch Judo lässt sich vor allem Selbstsicherheit im Alltag gewinnen, denn wer eine bessere Koordination hat, stellt sich geschickter an; wer fallen kann, hat weniger Angst usw.. Durch Judo lassen sich durch vielfältige Boden- und Partnerübungen motorische Defizite vor allem bei Kindern und Jugendlichen ausgleichen.

Dass Kinder, die Kampfsportarten trainieren, besser gegen Haltungsschwächen gewappnet sind, hat auch die Aktion Kidcheck, eine saarländische Initiative von Ärzten, Biologen, Sportwissenschaftlern und Pysiotherapeuten, herausgefunden. Den entsprechenden Artikel können Sie hier nachlesen.