Judo in Deutschland


1906 kamen japanische Kriegsschiffe zu einem Freundschaftsbesuch nach Kiel. Die Gäste führten dem deutschen Kaiser ihre Nahkampfkünste vor. Wilhelm II war begeistert, und er ließ seine Kadetten in der neuen Kunst unterrichten. Der damals bedeutendste deutsche Schüler war der Berliner Erich Rahn. Noch im gleichen Jahr gründete er die erste Schule für asiatische Kampfkünste in Deutschland. Damals nannte man diese Techniken noch "Jujutsu".

Bereits 1910 unterrichtet er bei der Berliner Kriminalpolizei Jujutsu. Von 1919 bis heute ist Jujutsu Grundlage der Selbstverteidigung der uniformierten Polizei. 1922 fanden dann die ersten deutschen Meisterschaften statt, bei denen Erich Rahn Sieger blieb. Ebenfalls 1922 wurde von Alfred Rhode in Frankfurt der erste Jujutsu-Verein in Deutschland gegründet. 1929 fand der erste Städtekampf zwischen London und Frankfurt statt. Nachdem vom Dresdner Jujutsu-Club 1934 erstmals Europameisterschaften ausgeschrieben wurden, waren Judo und Jujutsu nach dem zweiten Weltkrieg von den Alliierten bis 1948 verboten.

1952 wurde das Deutsche Dan-Kollegium (DDK) ins Leben gerufen, 1953 der Deutsche Judobund (DJB) gegründet und 1956 vom Deutschen Sportbund anerkannt. Im selben Jahr fand dann auch die 1. Judo-Weltmeisterschaft statt, wobei die nachfolgenden Meisterschaften eher unregelmäßig und ohne Gewichtslimits ausgetragen wurden. Seit 1965 werden die Weltmeisterschaften alle zwei Jahre ausgerichtet. Die ersten deutschen Meisterschaften der Damen fanden erst 1970 statt. Danach kamen 1975 die ersten Europa-Meisterschaften der Damen, und schließlich 1980 die Weltmeisterschaftskämpfe. Bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio wird Judo erstmals olympische Disziplin und ist seit 1972 ständig im Olympischen Programm zu finden, seit 1992 auch für Frauen.